Wind­energie: Wie Gemeinden profi­tieren

Auf einen Blick

  • Mit Windkraftanlagen vor Ort gibt es für Gemeinden viel zu gewinnen: sie können ihre kommunalen Finanzen aufbessern sowie von neuen Arbeitsplätzen und Geschäftsmodellen profitieren.
  • Gezielte Kommunikation zu Vorteilen und Einnahmen aus Windenergieprojekten erhöht die Akzeptanz von Windkraftanlagen vor Ort.
  • Bayerische Gemeinden haben die Chancen von Windkraftanlagen vor Ort erkannt und nutzen die zusätzlichen Einnahmen für Investitionen.

Wind­energie: Wie Ge­meinden profi­tieren

Veröffentlichung Juli 2023

KlimaEnergieWirtschaft & Arbeit

| Factsheet, 14.07.2023

Kommunen nehmen beim Ausbau erneuerbarer Energien eine Schlüsselrolle ein. Sie sind Kenner der örtlichen Gegebenheiten und Treiber der Energiewende vor Ort. Gleichzeitig eröffnet die Dezentralisierung der Energieversorgung vor allem für ländliche Regionen zusätzliche wirtschaftliche Entwicklungschancen. Die Beteiligung von Standortkommunen an den Gewinnen aus Windkraftanlagen ist ein wichtiger Schritt hin zu einer gerechten, gesellschaftsverträglichen Umsetzung der Energiewende und wesentlicher Baustein für die Akzeptanz von Windkraftanlagen vor Ort.

Mit Windkraftanlangen die Finanzen der Gemeinde stärken

Eine Gemeinde kann über verschiedene Wege von Windkraftanlagen vor Ort finanziell profitieren, zum Beispiel über Steuereinnahmen, die Verpachtung von kommunalem Land, als Anteilseigener oder über vereinbarte Zahlungen des Anlagenbetreibers an die Standortgemeinde. Die finanzielle Beteiligung von Standortgemeinden ist gesetzlich im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verankert: §6 EEG 2023 sieht eine mögliche Gemeindebeteiligung von 0,2 Cent pro Kilowattstunde vor. Je nach Standortgüte und Stromertrag beläuft sich die Zahlung des Windanlagenbetreibers an die Kommune damit auf circa 20.000 Euro pro Anlage pro Jahr. Diese zusätzlichen Einnahmen können dann zur verlässlichen Finanzierung der Daseinsvorsorge verwendet werden, zum Beispiel für Schulen, Krankenhäuser und Straßen. Konsolidierungsgemeinden können mit den Gewinnen den eigenen Haushalt stärken und sich so neue Spielräume erschließen. Während andere Bundesländer mit Hilfe der Windenergie ganz gezielt den ländlichen Raum stärken, nutzt Bayern als größtes deutsches Flächenland dieses Potenzial bislang noch wenig.

Windenergie hat die höchsten Gewinnpotenziale für Standortgemeinden

Windkraftanlagen haben im Vergleich mit anderen Technologien mit Abstand die höchste absolute Wertschöpfung, das heißt eine Gemeinde kann die größten ökonomischen, ökologischen und soziokulturellen Nutzen aus der Entwicklung und dem Betrieb von Windkraftanlagen ziehen. Die sogenannte Wertschöpfungskette geht dabei über den Bau und die Wartung der Windkraftanlage weit hinaus. Neben direkten Einnahmen wie zum Beispiel Steuern, Renditen und Pachtgebühren, ergeben sich auch indirekte Gewinne zum Beispiel die Schaffung lokaler Arbeitsplätze und neuer Geschäftsmöglichkeiten für die lokale Wirtschaft. Forschende von DIW Econ und dem Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) haben ermittelt, dass in Bayern bis zum Jahr 2030 über 57.600 zusätzliche Jobs dank des Zubaus und Betriebs von weiteren Windkraftanlagen geschaffen werden können. So benötigen die Betreiber der Anlagen oft lokale Dienstleistungen und Ressourcen, wie zum Beispiel Baufirmen, Transportunternehmen oder Zulieferer. Darüber hinaus ergeben sich auch weitere induzierte Wertschöpfungseffekte: zum Beispiel, indem eine Gemeinde die erwirtschafteten Gewinne in den Bau einer neuen Straße investiert und damit ein lokales Unternehmen beauftragt, das wiederrum Einnahmen generiert und diese in eine neue Arbeitskraft oder Maschine investiert. Windkraftanlagen ermöglichen auf diese Weise vielen Regionen ein neues wirtschaftliches Standbein, das über Generationen hinweg tragen kann.

Mit gezielter Kommunikation die Akzeptanz von Windkraft fördern

Gemeinden können die öffentliche Debatte um die lokale Energiewende anführen, die Prozesse vorantreiben und gleichzeitig die Akzeptanz der Bevölkerung durch Mitbestimmung und wirtschaftliche Teilhabe sichern. Schlüssel hierzu ist eine gute Kommunikation der Wertschöpfungseffekte durch Windenergieprojekte an die Einwohner. Wie das Forschungsprojekt „Regionale Wertschöpfung, Beteiligung und Akzeptanz in der Energiewende“ (ReWA) zeigte, sind sich die Bürgerinnen und Bürger selbst in sehr aktiven Kommunen oft nicht genau über regional-wirtschaftliche Effekte von erneuerbaren Energien bewusst. Gezielte und umfangeiche Kommunikation über vielfältige Kanäle ist nötig, um die Öffentlichkeit über die Projekte und die von ihnen ausgehenden Vorteile zu informieren. Dies ist auch ein wichtiger Schritt, um die lokale Akzeptanz zu fördern.

In einer von der Initiative Klimaneutrales Deutschland (IKND) beauftragten Umfrage geben sechs von zehn befragten Personen in Bayern an, dass sie den Bau von Windkraftanlagen in ihrer Gemeinde akzeptieren, wenn diese finanziell davon profitieren würde.

Praxisbeispiele: Investitionen in die Zukunft können sich heute schon auszahlen

Berg (Regierungsbezirk Oberbayern)
Landkreis Starnberg

Einwohner: 8.488 (Stand: 30. September 2022)
Stromverbrauch: 25.900 MWh (04.07.22 - 03.07.23)
Stromproduktion Windenergie (2021): 24.994 MWh
(04.07.22 - 03.07.23) (96,4 Prozent des ortseigenen Stromverbrauchs)
Stromproduktion Photovoltaik: 2.792 MWh (04.07.22 - 03.07.23)

Die Gemeinde Berg am Starnberger See beheimatet seit 2015 einen Windpark mit vier Windrädern und einer installierten Leistung von 12.000 Kilowatt. Die vier Anlagen sparen jährlich zwischen 12.800 und 19.200 Tonnen Treibhausgase ein. Seit sieben Jahren erwirtschaftet die Gemeinde Berg gemeinsam mit vielen weiteren Anteilseignern kontinuierlich Gewinne. Zu den größten Anteilseignern gehören neben der Gemeinde Berg die Gemeinde Gaißach, die Stadtwerke Bad Tölz und die Raiffeisenbank Starnberg Herrsching Landsberg e.G. Bis zum Jahr 2023 war ursprünglich eine Auszahlung von 37 Prozent der Kapitaleinlage veranschlagt. Bis heute wurden tatsächlich auf Grund der hohen Strompreise eine Auszahlung von 67 Prozent erreicht. Im Jahr 2023 erhielt die Gemeinde Berg 300.000 Euro aus dem Betrieb des Windparks. Hinzu kommen noch 67.000 Euro Gewerbesteuereinnahmen, die deutlich früher als geplant erzielt werden konnten. Damit hätte im Jahr 2023 das neue Löschfahrzeug LF 10 für die Feuerwehr Kempfenhausen bezahlt werden können. Tatsächlich konnten mit dem Geld die zeitgleich enorm gestiegenen Energiepreise im Gemeindehaushalt abgefedert werden.

Weitere Informationen:
https://www.gemeinde-berg.de/energie
https://energiemonitor.bayernwerk.de/berg

Arzberg (Regierungsbezirk Oberfranken)
Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge

Einwohner: 5.076 (Stand: 30. Sept. 2022)
Stromverbrauch (2021): 23.520 MWh
Stromproduktion Windenergie (2021): 29.221 MWh (124,2 Prozent des ortseigenen Stromverbrauchs)

Die Stadt Arzberg im Fichtelgebirge erzeugt mit einem Mix aus Windkraft, Photovoltaik, Biomasse und Wasserkraft 160 Prozent des ortseigenen Stromverbrauchs, 124 Prozent davon erzeugen neun Windkraftanlagen auf Arzberger Gebiet. Sie produzieren jährlich fast 30.000 Megawattstunden Strom - das entspricht dem durchschnittlichen Stromverbrauch von 7.500 Drei-Personen-Haushalten. Im Jahr 2011 wurde die Stadt eins der vier Gründungsmitglieder der ZukunftsEnergie Nordostbayern GmbH (ZENOB), die drei Windräder entlang der Blausäulenlinie betreibt. Für 2024 ist die Inbetriebnahme einer der größten Batteriespeicher Europas geplant, mit 100 MW Leistung. Arzberg ist Konsolidierungsgemeinde und kann mittels der Einnahmen aus der selbst erzeugten Energie ihren Haushalt aufbessern.

Weitere Informationen:
https://arzberg.de/wp/

Fuchstal (Regierungsbezirk Oberbayern)
Landkreis Landsberg am Lech

Einwohner: 4.127 (Stand: 30. Sept. 2022)
Stromverbrauch (2021): 13.965 MWh (2021)
Stromproduktion Windenergie (2021): 21.938 MWh (157 Prozent des ortseigenen Stromverbrauchs)

Mit Wind, Sonne und Bioenergie werden in der Gemeinde Fuchstal in Oberbayern ungefähr 40 Millionen Kilowattstunden (kWh) Strom pro Jahr erzeugt. Der größte Anteil an Strom wird im Windpark Fuchstal erzeugt. Nach sieben Jahren Betrieb hat dieser bereits 85 Prozent des Einlagekapitals ausgeschüttet. Die Gemeinde geht davon aus, dass mit dem nächsten Jahr das gesamte Eigenkapitel wieder eingenommen wurde. Die nächsten 22 Jahre verbleibt die Ausschüttung dann bei Gesellschafter und Finanzamt. Im März 2023 hat der Bau von drei weiteren Windrädern begonnen, an denen die Gemeinde finanziell beteiligt ist. Durch die Stromerzeugung mit erneuerbaren Energien bleiben etwa vier Millionen Euro jährlich bei der Gemeinde Fuchstal, bei ihren Bürgern, bei den Waldbesitzern und den Grundstückseigentümern der landwirtschaftlichen Grundstücke im Gemeindebereich. Davon bleibt circa 1 Millionen zzgl. circa 150.000 Euro Gewerbesteuer in der Kasse der Gemeinde Fuchstal. Mit dem vom Bund geförderte Projekt „Energiezukunft Fuchstal“, das die Sektorenkopplung und die Speicherung von ansonsten ungenutztem Strom forciert, kann die Gemeinde bereits seit 2022 den Strom in Negativstromzeiten (Strom der entweder abgeregelt oder nicht vergütet wird) in einer 5,6 MW-Batterie und einen Wärmetopf mittels einer Power-to-Heat-Anlage speichern und bei Bedarf ins Wärmenetz einspeichern bzw. in Wärme umwandeln. Ab 31. Dezember 2023 erzeugt die Gemeinde das Vierfache an Strom des Bedarfs.

Weitere Informationen:
https://fuchstal.de/

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