Landtags­wahl Nieder­sachsen: Energie­kosten & Wohn­häuser

Niedersachsen hat bundesweit einen der höchsten Anteile an Gasheizungen. Dazu kommt, dass alte Häuser in schlechtem energetischen Zustand überwiegen. Gerade in diesem Bundesland, in dem Anfang Oktober Landtagswahlen stattfinden, könnten zahlreiche Menschen durch Gebäudesanierung dauerhaft vor hohen Energiepreisen geschützt werden.

Auf einen Blick

  • Gas dominiert als Heizenergieträger: Die Wohnhäuser in Niedersachsen sind überdurchschnittlich alt, in schlechtem energetischem Zustand und werden zu 70 Prozent mit Gas beheizt. In der aktuellen Situation explodieren daher im ganzen Land und in der großen Mehrzahl der Haushalte die Heizkosten. Gaskunden, die in unsanierten Häusern leben, zahlen mit der nächsten Abrechnung viele Tausend Euro mehr als solche in sanierten Häusern.
  • Entlastung für Menschen, Haushalt und Klima: Auch wenn es kurzfristig vor allem um finanzielle Entlastungen der Haushalte geht: Mittel- und langfristig wird nur eine deutliche Verminderung des Gasverbrauchs zielführend sein. Nicht nur, um Haushaltseinkommen beziehungsweise Transferzahlungen zu schonen, sondern auch, um die Treibhausgasemissionen des Gebäudesektors sowie die Importabhängigkeit bei Energie zu vermindern.
  • Vorreiter Wärmewende: Um Bürgerinnen und Bürger langfristig vor hohen Preisen und zugleich das Klima zu schützen, sollte die zukünftige Landesregierung gezielt die energetische Modernisierung von Häusern mit einer Gasheizung anstreben. So kann das Land zum Vorreiter der Wärmewende werden.
  • Information ist der Schlüssel: Ein erster Schritt besteht in zielgerichteten Informationen für Hauseigentümerinnen und -eigentümer. Denn trotz hoher Energiekosten und schlechter Gebäudestandards ist die Motivation für energetische Modernisierungen insbesondere bei den Besitzern von Ein- und Zweifamilienhäusern sehr gering.

 

Energiekosten & Wohnhäuser in Niedersachsen

Veröffentlichung September 2022

EnergiePolitikGebäude & Wärme

| Factsheet, 05.09.2022

Nieder­sachsen ist be­son­ders be­troffen von hohen Gas­preisen

Fast drei Viertel (1,5 Millionen) der 2,2 Millionen Wohnhäuser in Niedersachsen werden mit Gas beheizt. Das ist deutlich mehr als im Bundesdurchschnitt, hier liegt der Anteil bei der Hälfte.  Dementsprechend haben niedersächsische Haushalte in der aktuellen Energiekrise noch stärker mit Mehrkosten zu kämpfen als Haushalte anderswo. Sieben von zehn Niedersachsen sind davon betroffen: Leben sie in besonders schlecht isolierten Häusern, so drohen ihnen Gaskosten von bis zu 14.000 Euro pro Jahr (Stand 24.08.2022).  Darüber hinaus zementiert der hohe Anteil von Gasheizungen die große Abhängigkeit der Energieversorgung von Importen.

 

Mehr als 60 Prozent der niedersächsischen Wohnhäuser wurden vor 1979 erbaut und damit zum größten Teil vor der Einführung von Wärmeschutzstandards. Im bundesweiten Vergleich hat Niedersachsen damit den vierthöchsten Anteil solcher Häuser. Fast 40 Prozent fallen sogar in die drei schlechtesten Energieeffizienzklassen F, G und H. Sie verbrauchen mehr als 160 Kilowattstunden Energie pro Quadratmeter und Jahr. Zum Vergleich: Häuser der besten Energieeffizienzklassen A+, A und B (lediglich 13% der niedersächsischen Wohngebäude) verbrauchen pro Quadratmeter jährlich weniger als 75 Kilowattstunden. Ein Großteil der Wärmeenergie geht über Außenwände, Dach, Keller und Fenster verloren. Hier liegen daher große Einsparpotenziale: Je nach energetischem Zustand des Hauses können sie bis zu 80 Prozent des Energieverbrauchs ausmachen.

 

Vergleicht man zwei 150 Quadratmeter große Häuser unterschiedlicher Energieeffizienzklassen miteinander, zeigen sich gravierende Unterschiede in den Gasrechnungen. Bei einem Gaspreis von 31 Cent pro Kilowattstunde (Stand 24.08.2022), könnten die jährlichen Gaskosten bei Häusern der Energieeffizienzklasse H um 7.500 Euro höher ausfallen als bei gleichgroßen Häusern der Energieeffizienzklasse D (siehe Abbildung 2). Die Energieeffizienzklasse D dient als Grundlage des Vergleichs, da sich das durchschnittliche deutsche Haus mit einem Energiebedarf von jährlich rund 125 Kilowattstunde pro Quadratmeter in dieser Klasse befindet. Im Vergleich zu einem Haus, das aktuelle Effizienzhausstandards (Effizienzhaus 40) erfüllt, fällt die Ersparnis noch höher aus und liegt bei 11.850 Euro im Jahr.

In Anbetracht des enorm gestiegenen Gaspreises sollte der dauerhafte Schutz der Menschen vor hohen Energiepreisen stärker in den Blick genommen werden. Langfristig wirksam ist hier nur die energetische Sanierung von Gebäuden. Eine aktuelle Untersuchung des Energiewirtschaftlichen Instituts der Universität Köln (EWI) zeigt allerdings, dass erstens einkommensschwache Haushalte überproportional von den steigenden Energiepreisen betroffen sind.  Zweitens gehören Hauseigentümerinnen und -eigentümer mindestens zur Hälfte zu der Gruppe, die nur niedrige und mittlere Einkommen bezieht. Sie geraten daher immer tiefer in die Energiepreiskrise und können sich ohne staatliche Hilfe daraus nicht befreien. Anhand von Förderprogrammen für Sanierung sollte daher besonders diese Gruppe dabei unterstützt werden Modernisierungsmaßnahmen durchzuführen. Eine aktuelle Umfrage für die Initiative Klimaneutrales Deutschland (IKND) zeigt zudem: Auch unter den aktuellen Bedingungen sind Wille und Bereitschaft zu sanieren in allen Einkommensgruppen gering ausgeprägt.

 

Das sagen Be­sitzer von Ein- und Zwei­familien­häusern

Niedersachsen ist ländlich geprägt, mit einem hohen Anteil an Ein- und Zweifamilienhäusern vor allem außerhalb der Städte. Die Besitzerinnen und Besitzer dieser Häuser wissen nur sehr wenig über ihren Energieverbrauch, ihre Energiekosten und Einsparpotenziale an ihrem Gebäude. Dies zeigen nicht nur die Ergebnisse der IKND-Umfrage. Auch das Umweltbundesamt konstatiert ein Informationsdefizit bei Hauseigentümern und -eigentümerinnen. So mangelt es ihnen an grundlegenden Informationen über das eigene Haus – wie etwa die Energieeffizienzklasse. Ebenso werden die laufenden Kosten für den Betrieb eines Gebäudes oftmals unterschätzt.  Den Befragten in der IKND-Umfrage waren die ihnen bevorstehenden Mehrkosten kaum bekannt: 75 Prozent der Hauseigentümerinnen und -eigentümer unterschätzen die kommenden Mehrkosten für Heizung und Warmwasser. 

 

Solche Wissenslücken verhindern offenbar, dass Eigentümerinnen und Eigentümer ihre Häuser energetisch modernisieren. Die Umfrage der IKND ergab, dass 63 Prozent der befragten Ein- und Zweifamilienhausbesitzer in Niedersachsen in den vergangenen Jahren keine Sanierung vorgenommen haben oder in diesem Jahr planen. Zudem hält eine deutliche Mehrheit (74 Prozent) eine Sanierung für unnötig, da sich ihr Haus nach eigener Einschätzung in einem guten Zustand befinde. Im Kontrast dazu steht, dass 86 Prozent aller Wohnhäuser in Deutschland Potenzial für Sanierung aufweisen, wie das gemeinnützige Beratungsunternehmen co2online konstatiert.

Wie die Umfrage für die IKND zeigt, fehlt dem Großteil der Eigentümerinnen und Eigentümer, die bisher keine Sanierung planen, der Zugang zu grundlegenden Informationen über das eigene Haus sowie über staatliche Fördermöglichkeiten. Proaktive und zielgerichtete Informationen sind daher dringend notwendig, damit sie eine energetische Modernisierung überhaupt in Betracht ziehen – und anschließend auch umsetzen. Anders gesagt: Zielgerichtete und aktivierende Informationen sind die essenzielle Voraussetzung dafür, dass landesweit die Sanierungsquote steigt und Heizkosten dauerhaft sinken.

 

Klima­schutz und Energie­wende in Nieder­sachsen

Energiewende und Klimaschutz haben in Niedersachsen einen hohen Stellenwert. Seit Dezember 2020 ist der Schutz des Klimas als Staatsziel in die Landesverfassung verankert. Zur gleichen Zeit wurde das Niedersächsische Klimagesetz erlassen, welches vorsieht, dass die niedersächsischen Gesamtemissionen bis zum Jahr 2030 um mindestens 65 Prozent im Vergleich zu 1990 sinken sollen (aktuelle Minderung: 17,4 Prozent). Für 2045 strebt Niedersachsen die Treibhausgasneutralität an.

Aufgrund der hohen energiebedingten Treibhausgasemissionen bedeutet Klimaschutz in Niedersachsen neben dem Ausbau regenerativer Energien vor allem eins: Die Energieeffizienz beim Heizen steigern und damit Energie sparen. Das Potenzial dafür ist groß: 35 Prozent der energiebedingten Treibhausgasemissionen in Niedersachsen entstammen Gebäuden.

Mit insgesamt 880.000 der bundesweit 7,5 Millionen Gebäude in den schlechtesten drei Effizienzklassen, also einem Anteil von fast 12 Prozent, kommt Niedersachsen in den Anstrengungen für einen klimaneutralen Gebäudesektor auf deutschlandweit eine wichtige Rolle zu.

Die zukünftige Landesregierung sollte diese Aufgabe dringend anpacken – als dauerhaft wirkende Antwort auf hohe Energiepreise sowie für ein klimaneutrales Niedersachsen. Das Bundesland könnte somit seine bisherige Vorreiterrolle in der Energiewende ausbauen.

 

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