Wärmepumpen im Eigenheim: soziale Aspekte mitdenken
Veröffentlichung Juni 2026
Was Eigenheimbesitzende von einer Investition abhält
Veröffentlichung Juni 2026
EnergieGebäude & Wärme
| Factsheet, 11.06.2026
In Kooperation mit Zukunft KlimaSozial, Institut für Klimasozialpolitik
Der Gebäudesektor steht seit Jahren im Zentrum der klimapolitischen Debatte. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Modernisierung des Gebäudebestands maßgeblich von privaten Eigentümerinnen und Eigentümern getragen werden muss: Rund vier von fünf Wohngebäuden in Deutschland sind Ein- oder Zweifamilienhäuser. Mit dem geplanten Gebäudemodernisierungsgesetz und der bevorstehenden Reform der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) stehen zwei zentrale klimaschutzpolitische Weichenstellungen im Gebäudesektor an. Beide Vorhaben zielen darauf ab, Eigenheimbesitzenden mehr Entscheidungsspielraum bei der Wahl ihrer Heiztechnologie zu geben und gleichzeitig die Modernisierung des Gebäudebestands voranzutreiben. Eine repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Initiative Klimaneutrales Deutschland zeigt jedoch, dass Investitionsentscheidungen im Eigenheim von einer Vielzahl sozialer, finanzieller und praktischer Faktoren geprägt sind. Am Beispiel der Wärmepumpe wird deutlich, welche unterschiedlichen Hürden Eigenheimbesitzerinnen und -besitzer bei der Modernisierung ihrer Gebäude sehen.
Modernisierungsentscheidungen im Eigenheim sind langfristige Investitionsentscheidungen, die stark von Lebensphase, Finanzierungsmöglichkeiten und Gebäudestruktur geprägt sind (siehe Abbildung 1) – wobei Einkommen und Lebensphase als übergreifende Variablen die meisten dieser Hürden darstellen. Der mit Abstand meistgenannte Grund gegen eine Wärmepumpe sind die Anschaffungskosten: Mehr als die Hälfte der Befragten gibt sie als Hindernis an. Eng damit verbunden sind praktische Umsetzungsfragen: fehlende Kompatibilität des Gebäudes sowie der hohe Aufwand eines Umbaus werden von rund einem Drittel der Befragten genannt. Skepsis gegenüber der Technologie selbst, etwa die Sorge vor Abhängigkeit vom Strompreis oder die Einschätzung, die Technologie sei noch nicht ausgereift, ist dagegen unter den Befragten weniger verbreitet.
Ein gesonderter Blick lohnt sich auf das Alter als Hinderungsgrund. Dass ältere Menschen diesen Grund häufiger nennen, ist zunächst wenig überraschend. Jedoch machen Personen über 60 Jahre die Hälfte der Eigentümerinnen und Eigentümer ohne Wärmepumpe oder Anschaffungspläne für eine solche aus. Diese Gruppe wohnt zu 47 Prozent in einem Haus, das vor Inkrafttreten der ersten Wärmeschutzverordnung 1977 erbaut wurde. Der Einbau einer Wärmepumpe ist hier gegebenenfalls mit mehr Aufwand verbunden. Das wirft die Frage auf, unter welchen Bedingungen auch ältere Hausbesitzende bereit wären, noch in eine neue klimafreundliche Heizung zu investieren.
Die Anschaffungskosten werden nicht nur von mehr als der Hälfte der Befragten als Hinderungsgrund genannt, auch die Verteilung von Wärmepumpen über die Haushaltseinkommen deutet darauf hin, dass finanzielle Spielräume eine zentrale Rolle spielen.
Während 70 Prozent der Eigentümerinnen und Eigentümer mit einem Einkommen von unter 2.500 Euro weder eine Wärmepumpe besitzen noch deren Anschaffung planen, trifft das auf lediglich etwas mehr als 30 Prozent der Haushalte mit einem monatlichen Einkommen von über 7.500 Euro zu. Die Unterschiede nach Einkommen zeigen sich vor allem im bestehenden Wärmepumpenbesitz sowie im Anteil der Personen ohne Wärmepumpe und ohne Anschaffungspläne. Mit Blick auf die Anschaffungspläne sind die Unterschiede zwischen den Einkommensgruppen geringer. Sie liegen zwischen 18,5 Prozent und 27 Prozent und hängen damit weniger von der finanziellen Lage der Haushalte ab.
Obwohl finanzielle Hürden für alle Altersgruppen ein relevanter Hinderungsgrund sind, zeigen sich bei den Reaktionen auf finanzielle Anreize Unterschiede zwischen den Altersgruppen. 66 Prozent der unter 45-Jährigen geben an, auf staatliche Unterstützung angewiesen zu sein, gegenüber 50 Prozent der 45 bis 60-Jährigen und 54 Prozent der über 60-Jährigen. Ein günstiges Darlehen würde 35 Prozent der Jüngeren zu einer Investition bewegen, bei den Älteren sind es nur 25 Prozent.
Die Gründe dafür, warum finanzielle Anreize bei jüngeren Eigentümerinnen und Eigentümern stärker wirken, gehen aus der Befragung nicht direkt hervor. Eine plausible Erklärung ist, dass jüngere Haushalte häufiger noch Kreditverpflichtungen aus dem Hauskauf sowie teilweise zusätzliche Renovierungskosten tragen und daher stärker auf ergänzende Finanzierungsmöglichkeiten angewiesen sind. Gleichzeitig ist ihr Investitionshorizont länger, sodass sich größere Modernisierungsinvestitionen wirtschaftlich eher lohnen.
Finanzielle Hürden spielen insbesondere in den unteren Einkommensgruppen eine große Rolle (siehe Abbildung 2). In diesen Gruppen wird der Kostenaspekt zudem häufiger von jüngeren Haushalten genannt. Unter Eigentümerinnen und Eigentümern mit hohem Einkommen nennen dagegen vor allem ältere Befragte die Anschaffungskosten als Hinderungsgrund, allerdings sind hier die Fallzahlen geringer.
Während bei Jüngeren die Kosten mit Abstand der wichtigste Hinderungsgrund sind, tritt bei den älteren Eigenheimbesitzerinnen und -besitzern neben den Finanzfragen ein weiterer Hinderungsgrund in den Vordergrund: das eigene Alter.
Jüngere Eigenheimbesitzende sind schon häufiger auf eine Wärmepumpe umgestiegen als Ältere. Nur etwa 12 Prozent der über 60-Jährigen haben bereits eine Wärmepumpe installiert, der niedrigste Wert aller Altersgruppen. Die Anschaffungspläne sind über die Altersgruppen hinweg ähnlich verteilt. Dennoch stellen die über 60-Jährigen den größten Anteil derjenigen, die aktuell keine Wärmepumpe haben und auch keine planen.
37 Prozent der über 60-Jährigen geben an, dass sich eine Wärmepumpe aufgrund ihres Alters für sie nicht mehr lohnt. Das ist eine Einschätzung, die für diese Gruppe durchaus rational begründet ist. Bemerkenswert ist jedoch, wie stark dieser Grund ins Gewicht fällt, sowohl im Vergleich zu anderen Altersgruppen als auch im Vergleich zu anderen Hinderungsgründen innerhalb der Gruppe selbst. Der Vergleich zwischen den unter 60-Jährigen mit den über 60-Jährigen macht das besonders sichtbar. Der größte Unterschied zeigt sich beim Grund „Alter", mit über 35 Prozentpunkten Differenz, gefolgt von „Rentabilität nicht gegeben" mit nur rund 10 Prozentpunkten und „Aufwand Umbau" mit rund 7 Pro zentpunkten (siehe Abbildung 3). Während bei Jüngeren finanzielle Hürden eindeutig dominieren, kommen bei Älteren das eigene Alter und Rentabilitätszweifel als eigenständige Faktoren zur Kosten frage hinzu.
Ein Blick auf die Verteilung derjenigen, die ihr Alter als Hinderungsgrund nennen, nach Haushaltseinkommen und Altersgruppen betrachtet, zeigt jedoch ein differenzierteres Bild (siehe Abbildung 4). Zwar geben über alle Einkommensgruppen hinweg vor allem ältere Eigentümerinnen und Eigentümer ihr Alter als Grund gegen eine Investition an. Gleichzeitig zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang mit dem Einkommen: In Haushalten mit einem monatlichen Einkommen von über 7.500 Euro wird das Alter kaum noch als Hinderungsgrund genannt. Ab diesem Einkommensniveau scheint die Lebensphase daher eine deutlich geringere Rolle für Investitionsentscheidungen zu spielen. Das Alter wirkt dabei nicht nur als abstrakte Kosten-Nutzen-Erwägung, sondern schlägt sich auch in konkreten baulichen Gegebenheiten nieder.
Neben dem eigenen Alter nennen ältere Eigentümerinnen und Eigentümer auch den mit der Installation einer Wärmepumpe verbundenen Umbau häufiger als Hinderungsgrund als Jüngere. Das könnte unter anderem daran liegen, dass ältere Eigenheimbesitzerinnen und -besitzer deutlich häufiger auch in älteren Häusern leben. 47 Prozent unter ihnen bewohnt ein Haus, das vor Inkrafttreten der ersten Wärmeschutzverordnung 1977 erbaut wurde. Demnach fallen auch praktische Gründe und Fragen der Umsetzbarkeit bei dieser Gruppe deutlich stärker ins Gewicht. 34 Prozent denken, dass sich eine Wärmepumpe nur schwer mit dem Gebäude kombinieren lässt. 32 Prozent scheuen den Aufwand der nötigen Umbaumaßnahmen. Wärmepumpen können jedoch auch in älteren Bestandsgebäuden effizient arbeiten. Eine vorherige Sanierung ist zwar vorteilhaft, aber keine Voraussetzung. In den allermeisten Fällen funktionieren Wärmepumpen effizient, auch in unsanierten oder nur teilweise sanierten Gebäuden.
Die Umfrageergebnisse legen nahe, dass eine Verbreitung der Wärmepumpe an konkreten, adressierbaren Hürden scheitert und weniger aufgrund grundsätzlicher Ablehnung. Die Anschaffungskosten bleiben für die Mehrheit der Haushalte das zentrale Hindernis. Daher sollte die Finanzierung der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) langfristig sichergestellt werden. Die Unterschiede nach Haushaltseinkommen machen zudem deutlich, dass eine einkommensgestaffelte Förderung weiterhin wichtig bleibt, um auch Haushalten mit geringeren finanziellen Spielräumen Investitionen zu ermöglichen. Die Daten zeigen dabei, dass der Einfluss der Lebensphase auf Investitionsentscheidungen mit steigendem Einkommen deutlich abnimmt. Das legt nahe, dass das Altersproblem und das Einkommensproblem bei einem relevanten Teil der Haushalte zusammenfallen. Lediglich bei Haushalten mit einem hohen Einkommen ist die Entscheidung, eine Wärmepumpe anzuschaffen, vom Alter unabhängiger.
Daneben deuten die Ergebnisse auf einen Informations- und Beratungsbedarf hin: Ein Teil der Befragten kennt Förderprogramme schlichtweg nicht oder zweifelt an der Rentabilität einer Wärmepumpe. Dies kann durch niedrigschwellige Angebote zumindest teilweise adressiert werden. Praktische Umsetzungsfragen wie Kompatibilität und Umbauaufwand stellen für viele eine eigenständige Hürde dar, die über reine Finanzierungsfragen hinausgeht. Die europäische Gebäuderichtlinie (EPBD), die bis Mai 2026 in nationales Recht umgesetzt werden soll, sieht hierfür die Einführung sogenannter One-Stop Shops vor. Sie sollen als eine zentrale Anlaufstelle für Eigenheimer fungieren. Auch Sanierungslotsen könnten dieses Problem lokal adressieren.
Für die Gruppe der über 60-Jährigen sind diese Instrumente jedoch möglicherweise nicht ausreichend. Ihr Hinderungsgrund, das eigene Alter, ist mit Blick auf die Amortisationszeit und die eingeschränkte Verfügbarkeit geeigneter Kredite nachvollziehbar. Die Frage, ob sich eine Investition auf die verbleibende Wohndauer noch rechnet, lässt sich nicht allein durch Förderung oder Information auflösen. Es wäre daher sinnvoll, spezifische Instrumente für diese Gruppe, etwa Finanzierungsmodelle, die erst im Erbfall oder bei Eigentumsübergang des Hauses fällig werden, zur Verfügung zu stellen.