Photovoltaik auf deutschen Ein­fami­lien­häu­sern

Was Eigenheimbesitzende von einer Investition abhält

Auf einen Blick

  • Photovoltaik als Türöffner der Energie­wende: Eine PV-Anlage ist für viele Eigenheimbesitzende der Einstieg, um in weitere Zukunftstechnologien zu investieren. Wer eigenen Strom erzeugt, schafft eine gute Grundlage für Wärme­pumpe, Bat­te­rie­spei­cher und Elektro­mobilität. 
  • Erhebliches Ausbaupotenzial bleibt ungenutzt: Rund 37 Pro­zent der Eigen­heim­besitz­en­den haben weder eine PV-Anlage noch An­schaffungs­pläne. Dieses Potenzial ist ohne zielgruppenspezifische Beratungsangebote und Anreize kaum zu heben. 
  • Finanzierung entscheidet bei Jüngeren: Für unter 45-Jährige sind An­schaff­ungs­kosten und fehlende Finanz­ierungs­mö­glich­keiten der mit Abstand wichtigste Hinder­ungs­grund. Passgenaue Kreditangebote könnten hier einen entscheidenden Unterschied machen. 
  • Lebensphase bremst Ältere: Bei über 60-Jährigen treten neben finanziellen Aspekten das eigene Alter und Zweifel an der Rentabilität als eigenständige Barrieren in den Vordergrund. Instrumente, die die Wert­stei­ge­rung der Immobilie aufzeigen, könnten diese Gruppe besser erreichen. 

Photovoltaik auf deutschen Ein­fami­lien­häu­sern

Veröffentlichung Juli 2026

EnergieGe­bäu­de & Wärme

| Factsheet, 16.07.2026

Ein Kooperationsprojekt mit Zukunft KlimaSozial, Institut für Klimasozialpolitik.

Einleitung

Photovoltaik­anlagen auf Hausdächern gelten als eine der erfolgreichsten Tech­no­lo­gien der Energie­wende. Sie ermöglichen es privaten Haus­halten, Strom selbst zu erzeugen und damit Energiekosten zu senken sowie Abhängigkeiten von Preisschwankungen zu reduzieren. Gerade Ein- und Zweifamilienhäuser spielen hierbei eine zentrale Rolle: vier von fünf Wohngebäuden in Deutsch­land gehören zu dieser Kategorie. Gleichzeitig zeigen aktuelle Be­fra­gungsdaten, dass ein erheblicher Teil der Eigen­heim­besitzerinnen und -besitzer bislang keine Photo­voltaik­anlage installiert hat. Knapp die Hälfte von ihnen ist älter als 60 Jahre. Vor dem Hintergrund der geplanten Reform des Er­neuer­ba­reEner­gienGe­set­zes (EEG) und der stärkeren Ausrichtung auf Ei­gen­ver­brauch stellt sich daher die Frage, welche sozialen und demografischen Faktoren In­ves­titions­ent­scheid­un­gen prägen und wie sich verhindern lässt, dass bestimmte Gesellschaftsgruppen bei der Energie­wende im Eigenheim abgehängt werden.

Photovoltaik­anlagen auf Deutsch­lands Eigenheimen

Die Photo­voltaik­anlage ist für viele Eigenheimbesitzende oftmals der Einstieg in die private Energie­wende: Selbsterzeugter Strom senkt laufende Kosten, macht weniger abhängig von Strompreisen und bildet die Grundlage für In­ves­ti­tio­nen in weitere Tech­no­lo­gien. Wer eigenen Strom produziert, kann diesen auch für zusätzliche Anwendungen nutzen, etwa für eine Wärme­pumpe, ein Elektroauto oder einen Bat­te­rie­spei­cher, deren Anschaffung dadurch attraktiver wird. Das macht die Photo­voltaik­anlage zur Schlüsseltechnologie, an die weitere In­ves­ti­tio­nen in Tech­no­lo­gien der Energie­wende anschließen. Gleichzeitig wird der Ei­gen­ver­brauch zum zentralen Faktor für die Wirt­schaft­lich­keit der Photo­voltaik­anlage.

Laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allens­bach im Auftrag der Ini­tia­ti­ve Kli­ma­neu­tra­les Deutsch­land haben bereits 36 Pro­zent der Eigen­heim­besitzerinnen und -besitzer in Deutsch­land eine PV-Anlage installiert, weitere 26 Pro­zent erwägen eine Anschaffung bis 2030. Gleichzeitig bleibt ein relevanter Anteil von rund 37 Pro­zent der Haus­halte ohne Investitionspläne. Knapp die Hälfte der Haus­halte ohne PV-Anlage ist älter als 60 Jahre und genau diese Gruppe weist zugleich den niedrigsten Anteil an konkreten An­schaffungs­plänen für die kommenden fünf Jahre auf. 

Auch mit Blick auf das verfügbare Haus­halts­ein­kommen zeigt sich ein eindeutiges Bild: je niedriger das Einkommen, desto geringer die An­schaffungs­pläne für eine Photo­voltaik­anlage und desto seltener besitzen Haus­halte bereits eine Anlage auf dem Dach. Spiegelbildlich dazu zeigt sich bei hohen Einkommen eine deutlich höhere Verbreitung: Nur etwas mehr als 15 Pro­zent der Eigen­heim­besitzerinnen und -besitzer mit einem Haus­halts­ein­kommen von über 7.500 Euro verfügen über noch keine PV-Anlage und planen auch keine Anschaffung innerhalb der nächsten fünf Jahre.

 

Darüber hinaus nennen viele Befragte praktische Fragen der Umsetzbarkeit. Dazu zählen etwa die Einschätzung, dass das eigene Haus für eine PV-Anlage ungeeignet sei, sowie der Aufwand möglicher Umbaumaßnahmen. Neben finanziellen und praktischen Gründen spielen auch Un­sicher­hei­ten eine Rolle, etwa hinsichtlich der Wirt­schaft­lich­keit der Anlage. Dagegen werden fehlende Kenntnisse über För­der­pro­gra­m­me oder mangelnde Zeit und Informationen deutlich seltener genannt. Bei äl­te­ren Befragten wird zudem häufiger das eigene Alter als Hinder­ungs­grund angeführt (siehe Abbildung 2).

Hohe An­schaff­ungs­kosten als Einstiegshürde für junge Eigenheimbesitzende

Auch wenn Photovoltaik­anlagen vergleichsweise niedrigere Investitionskosten haben, sind die hohen An­schaff­ungs­kosten der meistgenannte Hinder­ungs­grund unter den Eigen­heim­besitzerinnen und -besitzern. Je nach Größe kostet eine solche Anlage ohne Bat­te­rie­spei­cher heutzutage durchschnittlich 10.000 Euro bis 15.000 Euro. Die durchschnittliche Größe einer Photo­voltaik­anlage auf einem Einfamilienhaus liegt in Deutsch­land zwischen 8 und 15 Kilowatt-Peak (kWp). Unter dem aktuellen Entwurf des Er­neuer­ba­reEner­gienGe­set­zes (EEG) würde die Ein­spei­se­ver­gü­tung für diese Anlagen (< 25 kWp) gestrichen werden. 

Im Durchschnitt sind die Deutschen beim Immobilienkauf 38 Jahre alt. Die Kreditlast ist in dieser Gruppe hoch, da frisch finanzierte Eigenheime noch abbezahlt werden. Auch das Risiko der Über­schul­dung steigt bis 45 Jahre stetig an. Mit weiter zunehmendem Alter sinkt das Risiko der Über­schul­dung wieder. Jeder Dritte junge Eigenheimbesitzende gibt die Verfügbarkeit eines günstigen Darlehens als Anreiz an, in eine Photo­voltaik­anlage zu investieren. Dabei ist das für jüngere Eigen­heim­besitzerinnen und -besitzer in deutlich höherem Anteil ein Faktor als für ältere.
 


Spiegelbildlich dazu sind finanzielle Hürden bei jüngeren Eigen­tümer­innen und Eigentümern auch der mit Abstand häufigste Hinder­ungs­grund, und zwar deutlich häufiger als bei äl­te­ren. Passgenaue Finanzierungslösungen sind daher besonders wichtig, um jüngeren Haus­halten den Einstieg in die eigene Stromerzeugung zu erleichtern. 

Dieses Muster zeigt sich auch über die Ein­kommens­grupp­en hinweg (Abbildung 2): Jüngere Personen nennen finanzielle Gründe häufiger, auch bei mittleren und teilweise höheren Einkommen. Erst bei sehr hohen Haus­halts­ein­kommen verliert dieser Faktor an Bedeutung, wobei die Fallzahlen in dieser Gruppe vergleichsweise gering sind. Insgesamt deutet sich jedoch an, dass finanzielle Spielräume für jüngere Haus­halte über einen breiten Einkommensbereich hinweg eine wichtige Rolle für In­ves­titions­ent­scheid­un­gen spielen.

In­ves­titions­ent­scheid­un­gen im Kontext der Lebensphasen

Viele ältere Menschen im Eigenheim haben ihr Haus weitgehend abbezahlt und verfügen damit über eine solide Ver­mögens­ba­sis. Dennoch ist diese Gruppe keineswegs homogen: Renteneinkommen variieren erheblich und Altersarmut ist in Deutsch­land keine Rand­er­schein­ung. Auch bei ausreichender Rente und schuldenfreiem Wohneigentum bedeutet das allerdings nicht automatisch, dass eine Bereitschaft zu neuen In­ves­ti­tio­nen besteht.
 


Die Umfragedaten zeigen deutliche Unterschiede in den genannten Hinderungsgründen zwischen Eigen­heim­besitzerinnen und -besitzern unter 45 Jahren und solchen über 60 Jahren (siehe Abbildung 3). Während bei jüngeren Eigen­tümer­innen und Eigentümern vor allem die An­schaff­ungs­kosten im Vordergrund stehen, spielen bei den über 60-Jährigen andere Faktoren eine größere Rolle. Hier werden das eigene Alter sowie die Einschätzung, dass sich eine Investition finanziell nicht mehr lohnt, deutlich häufiger als Hinder­ungs­grund genannt. Neben der finanziellen Lage spielen damit auch persönliche Faktoren eine zentrale Rolle.

Ältere Eigen­tümer­innen und Eigentümer fragen sich häufiger, ob sich eine Investition noch lohnt. Hinzu kommt womöglich die Frage, wie lange sie das Haus noch bewohnen werden. Für Verwitwete kann sich diese Unsicherheit zusätzlich verstärken. Die Kombination aus Inves­titions­un­sicher­heit, wahrgenommener verbleibender Nutzungsdauer und Zweifeln an der Wirt­schaft­lich­keit trägt dazu bei, dass das eigene Alter als Hinder­ungs­grund in dieser Gruppe ähnlich stark ins Gewicht fällt wie finanzielle Ressourcen. Letztere bleiben zwar relevant, sind jedoch im Vergleich zu jüngeren Alters­gruppen weniger dominant.

Fazit

Photovoltaik­anlagen im Eigenheimbereich verfügen weiterhin über ein erhebliches Ausbaupotenzial. In­ves­titions­ent­scheid­un­gen sind dabei von wirtschaftlichen und lebens­phasen­spezi­fisch­en Faktoren geprägt, die sich je nach Altersgruppe deutlich unterscheiden. Für jüngere Eigen­tümer­innen und Eigentümer stehen Finanzierungsfragen im Vordergrund: Passgenaue Kreditangebote können hier einen entscheidenden Beitrag leisten, zumal günstige Darlehen für diese Gruppe einen der wirksamsten Anreize darstellen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die geplante Streichung der Ein­spei­se­ver­gü­tung für Anlagen unter 25 kWp im Rahmen der EEG-Reform die Wirt­schaft­lich­keit für private Haus­halte zusätzlich beeinflusst und die Bedeutung des Ei­gen­ver­brauchs weiter in den Vordergrund rückt. 

Bei äl­te­ren Haus­halten treten neben finanziellen Aspekten die erwartete Nutzungsdauer der Immobilie sowie Zweifel an der wirtschaftlichen Rentabilität als eigenständige Faktoren hinzu. Diese Vorbehalte lassen sich nicht allein durch finanzielle Anreize adressieren. Persönliche Beratung durch vertraute Ansprechpersonen – etwa Handwerksbetriebe oder Energieberaterinnen und -berater – kann hier wirksamer sein als digitale Informationsangebote. Dabei sind Hinweise auf die Wert­stei­ge­rung der Immobilie sowie auf eine lang­fristige Unabhängigkeit von steigenden Energiekosten besonders geeignet, den wahrgenommenen Investitionshorizont zu verlängern. 

Da PV-Anlagen als Ein­stiegs­tech­no­lo­gie den Umstieg auf weitere emissionsarme Tech­no­lo­gien wie Wärme­pumpen und Elektro­autos begünstigen, wirken die skizzierten In­ves­titions­hem­mnisse über den PV-Markt hinaus. Eine Anreizlogik, die Einkommens- und Altersunterschiede strukturell berücksichtigt, könnte dazu beitragen, dieses Potenzial breiter zu erschließen.

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