Befragung Kommunale Energiepolitik
Veröffentlichung April 2026
Befragung Kommunale Energiepolitik - Eine Studie von Heimatwurzeln und Initiative Klimaneutrales Deutschland
EnergiePolitikGebäude & Wärme
| Analyse, 29.04.2026
Ein Kooperationsprojekt mit Heimatwurzeln.
Die Umsetzung der Energiewende entscheidet sich dort, wo Projekte geplant und realisiert werden: in den Kommunen. Bürgermeisterinnen und Bürgermeister kennen die örtlichen Gegebenheiten, wissen, welche Lösungen praktikabel sind, und wo strukturelle Hindernisse bestehen. Sie sind damit Schlüsselakteure der deutschen Energieversorgung.
Heimatwurzeln e.V. und die Initiative Klimaneutrales Deutschland (IKND) haben über 600 deutsche Bürgermeisterinnen und Bürgermeister gefragt, wie sie die Lage vor Ort einschätzen und welche Erwartungen sie an die Bundes- und Landespolitik haben. Die gute Nachricht: Viele Kommunen setzen bereits Projekte um oder planen diese aktiv. Gleichzeitig drohen diese Projekte vor allem an fehlender Netzinfrastruktur und mangelndem finanziellen Spielraum zu scheitern.
In nahezu allen Bereichen der kommunalen Infrastruktur – Energie, Wärme, Mobilität – werden Projekte bereits umgesetzt oder geplant. 81 Prozent der Kommunen haben Photovoltaikanlagen auf öffentlichen Gebäuden umgesetzt oder in Planung, 73 Prozent Ladesäulen für Elektrofahrzeuge. Besonders groß ist das Interesse an Energiespeichern: Obwohl bisher nur wenige Kommunen sie im Betrieb haben, ist das grundsätzliche Interesse unter allen abgefragten Maßnahmen am stärksten ausgeprägt. Der Wille zur Umsetzung ist über alle Gemeindegrößen hinweg vorhanden. Die Geschwindigkeit hängt jedoch stark von den jeweiligen Rahmenbedingungen ab – personell, finanziell und infrastrukturell.
Gerade die Stromnetze entwickeln sich zum Flaschenhals. Fast jede zweite Kommune nennt fehlende Kapazitäten im Verteilnetz (46 Prozent) oder Engpässe bei Umspannwerken (39 Prozent) als größten Verzögerungsfaktor. Lediglich 3 Prozent der Befragten geben an, dass Netzanschlüsse kein Problem sind. Hinzu kommt, dass mehr als 73 Prozent der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister die Haushaltslage ihrer Kommune als angespannt beschreiben. Förderprogramme scheitern in der Praxis häufig an Komplexität und Personalbedarf, besonders kleinere Gemeinden stoßen hier an ihre Grenzen.
Mehr als 63 Prozent der Befragten sehen in einer Pauschalförderung mit vereinfachter Kofinanzierung den wirksamsten Hebel für eine schnellere Umsetzung. Kommunen brauchen demnach keine neuen Programme, sondern einfacher zugängliche und verlässliche Förderstrukturen.
Die Energiewende hat das Potenzial, eine relevante Quelle kommunaler Einnahmen zu werden und Kommunen damit resilienter und zukunftsfester zu machen. Zwei Drittel der Standortgemeinden generieren bereits heute Einnahmen aus erneuerbaren Energieprojekten. Die lokale Wertschöpfung geht dabei über direkte Einnahmen hinaus: Gewerbesteuer, Zahlungen nach §6 EEG und Pachtzahlungen stärken besonders den ländlichen Raum, wo erneuerbare Energien ein neues wirtschaftliches Standbein schaffen können. Bei Kommunen mit Windkraftanlagen berichten 91 Prozent von Einnahmen, bei Kommunen mit Photovoltaik-Freiflächenanlagen sind es 82 Prozent.
Dennoch bleibt erhebliches Potenzial ungenutzt: Nur zwei Drittel der berechtigten Kommunen rufen die ihnen zustehenden §6-EEG-Zahlungen tatsächlich ab. 23 Prozent geben an, davon noch nie gehört zu haben oder keine belastbaren Informationen zu besitzen. Die finanzielle Beteiligung von Standortgemeinden an der lokalen Energieerzeugung kann nach Angaben der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister jedoch die Akzeptanz für Projekte vor Ort sichern.
Die Akzeptanz für die Energiewende ist in den Kommunen hoch: Rund 78 Prozent der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister schätzen sie vor Ort als hoch oder sehr hoch ein. Dennoch zeigen sich regionale Unterschiede. In den südlichen Bundesländern zum Beispiel schätzt eine überwältigende Mehrheit von 85 Prozent der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister die Akzeptanz als (sehr) hoch ein. Was die Akzeptanz tatsächlich stärkt, ist klar: günstige Energiepreise (67 Prozent) und die direkte finanzielle Beteiligung der Bevölkerung (55 Prozent) sowie der Kommunen (43 Prozent). Zwei Drittel der Befragten sind jedoch der Meinung, dass die Kommunikation der Bundesregierung zur Energiewende negative Auswirkungen auf diese lokale Akzeptanz hat.
In allen abgefragten Bereichen – Stromerzeugung und Netze, Wärmenetze und kommunale Wärmeplanung, Mobilität und Ladeinfrastruktur sowie Finanzierung der Energiewende – fühlen sich die Kommunen zudem von der Bundesregierung unzureichend berücksichtigt. So bewerten 82 Prozent die Berücksichtigung kommunaler Belange bei der Finanzierung der Energiewende als unzureichend.
Die Befragung wurde von Januar bis März 2026 per Online-Interview durchgeführt. Eingeladen waren alle deutschen Bürgermeisterinnen und Bürgermeister. Die 609 teilnehmenden Kommunen beheimaten rund 10 Prozent der deutschen Haushalte.
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