Deutsch­lands Auto-Export­märkte im Wandel

Das Fall­bei­spiel Groß­bri­tan­nien

Auf einen Blick

  • Größter Export­markt: Groß­bri­tan­nien war 2025 der größte Export­markt für Pkws aus deutscher Produktion. Jeder achte exportierte Pkw ging in das Land. Das ent­spricht rund 13 Pro­zent der Exporte.
  • Schnelle Elek­tri­fi­zie­rung: Der Anteil von reinen Elektro­autos am Pkw-Exportwert nach Groß­bri­tan­nien stieg innerhalb von sieben Jahren von nahezu null auf über 40 Pro­zent. Dieser schnelle Trend sollte sich fortsetzen: Bereits 2030 sollen keine Erstzulassungen von reinen Benzin- und Diesel­fahr­zeugen mehr erlaubt sein. 
  • Rückläufiges Geschäft von Autos mit Ver­brennungs­motoren: Gemessen an den Stückzahlen sanken die Exporte von Ben­zin­fahr­zeu­gen zwischen dem ersten Halbjahr 2019 und dem ersten Halbjahr 2026 um 62 Pro­zent, Die Exporte von Diesel­fahr­zeugen sogar um 93 Pro­zent.
  • Potenzial für deutsche Pro­duk­tions­stand­orte: Standorte in Deutsch­land, die den britischen Markt für batterie­elekt­rische Pkw bedienen, könnten zunehmend vom Exportgeschäft profitieren. Darunter die Werke von VW in Zwickau, BMW in München, Tesla in Grünheide.

Deutsch­lands Auto-Export­märkte im Wandel

Veröffentlichung September 2026

Wirtschaft & ArbeitMobilität

| Factsheet, 21.09.2026

Einleitung

In Groß­bri­tan­nien haben rein batterie­elekt­rische Fahrzeuge, auf Englisch Battery electric vehicles (BEV), in nur drei Jahren einen deutlichen Aufschwung erlebt. Ihr Anteil an den Neu­zu­lassung­en ist zwischen 2023 und dem ersten Halbjahr 2026 von 16,5 Pro­zent auf 25 Pro­zent gestiegen. Die britische Society of Motor Manufacturers and Traders (SMMT) prognostiziert eine Fortführung dieses Trends und erwartet 2027 einen Marktanteil bei Neu­zu­lassung­en von 32 Pro­zent.

Mit dem Zero-Emissions-Vehicle Mandate (ZEV-Mandat) hat sich Groß­bri­tan­nien ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: bis 2030 sollen Zero-Emission-Vehicles (ZEVs) mindestens 80 Pro­zent an den Neu­zu­lassung­en ausmachen. Für die verbleibenden maximal 20 Pro­zent sind aus­schließ­lich Fahrzeuge mit Hybridantrieb zu­ge­las­sen. Ab 2035 dürfen nur noch Zero-Emission-Vehicles neu zu­ge­las­sen werden. Unter ZEVs versteht man in Groß­bri­tan­nien BEVs oder Wasser­stoff­fahr­zeu­ge mit Brenn­stoff­zelle; hybride Fahrzeuge fallen nicht darunter. Das ZEV-Mandat ist jedoch momentan Bestandteil politischer Diskussionen. Eine Herabstufung des Zwischenzieles für 2030 von 80 auf 50 Pro­zent gilt nach Abschluss der aktuell noch laufenden Industriekonsultation der Regierung als wahrscheinlich.  Damit dürften vorübergehend mehr Hybrid­fahr­zeuge zu­ge­las­sen werden als ursprünglich vorgesehen. Gleichzeitig wird erwartet, dass das Ziel für 2035 erhalten bleibt.

2025 war Groß­bri­tan­nien erstmals seit dem Brexit Deutsch­lands größter globaler Export­markt und lag noch vor den USA. Das ist vor dem Hinter­grund besonders wichtig, dass die deutsche Auto­mo­bil­in­du­strie vom Export lebt: 2025 wurden 76,5 Pro­zent der in Deutsch­land her­ge­stell­ten Fahrzeuge exportiert.  Das bedeutet, dass Autokäufe im Ausland die deutsche Wirtschaft ankurbeln und deutsche Pro­duk­tions­stand­orte stärken. Deutsch­land produziert vor allem für den eu­ro­päi­schen Markt, die USA und China. Der chinesische Markt bricht aufgrund erfolgreicher heimischer Marken schnell weg, und die aktuelle Zollpolitik der USA erschwert den Export dorthin. Vor diesem Hinter­grund ist der eu­ro­päi­sche Markt, und damit auch Groß­bri­tan­nien, von besonderer Relevanz für die deutsche Au­to­in­dus­trie. 2025 hat Deutsch­land knapp 413.000 Pkw nach Groß­bri­tan­nien exportiert, der zweitwichtigste Markt ist dann mit deutlichem Abstand Italien mit gut 200.000 verkauften Pkw.

Deutsch­land ist zudem traditionell Pkw-Nettoexporteur nach Groß­bri­tan­nien. Im ersten Halbjahr 2026 lag der Wert der nach UK exportierten Pkw beim Fünffachen der Pkw-Importe. Deutsch­land erzielt im Auto­mobil­be­reich einen Handelsüberschuss. Der britische Pkw-Markt sorgt also in besonderem Maße für Wertschöpfung, Ar­beits­plät­ze und Kaufkraft in Deutsch­land. Auch mit Blick auf BEV ist Deutsch­land Nettoexporteur gegenüber Groß­bri­tan­nien (siehe Abbildung 1).
 

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Der neue Exportschlager heißt Elektroauto

Der Anteil der Ele­ktro­fahr­zeuge an den nach Groß­bri­tan­nien exportierten Pkw wächst seit sieben Jahren rapide (siehe Abbildung 2). Sie machen mittlerweile gemessen an den Stückzahlen den größten Anteil aller Antriebsarten an den deut­schen Exporten dorthin aus: Von nahezu null Pro­zent im ersten Halbjahr 2019 machten BEVs im ersten Halbjahr 2026 36 Pro­zent aus. Hybrid­fahr­zeuge erreichten 2021 bereits ihren Höhepunkt und stagnieren seitdem bei etwa 25 Pro­zent der Exporte. 

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Trotz Schwankungen von BEVs am gesamten Exportwert in den vergangenen sieben Jahren sprang der Anteil 2024 auf 40 Pro­zent (siehe Abbildung 3). Die Schwankungen waren oftmals politisch bedingt, beispielsweise durch Förderstopps, z.B. im ersten Halbjahr 2025. BEVs haben zudem seit dem zweiten Halbjahr 2024 den größten Handelsüberschuss verglichen mit anderen Antriebsarten. Reine Ele­ktro­fahr­zeuge sichern damit heute die höchsten Brutto-Einnahmen im Handel mit Groß­bri­tan­nien. Dabei ist zu berücksichtigen, dass aufgrund der hauptsächlich im Ausland her­ge­stell­ten Batterie als Kern­kom­po­ne­nte eines E-Pkw weniger Wertschöpfung im Vergleich zur traditionellen Autoherstellung in Deutsch­land verbleibt.

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Wie oben ausgeführt, sieht die britische Regulierung vor, dass in etwas mehr als drei Jahren nur noch reine Ele­ktro­fahr­zeuge, PHEVs und HEVs zu­ge­las­sen werden dürfen – trotz absehbarer Abschwächung des ZEV-Mandats. Wenn die britische Regulierung weiterhin an diesem Kurs festhält, dürften spätestens ab 2030 neue Pkw mit Ver­brennungs­motor und ab 2035 dann auch neue Hybrid­fahr­zeuge im deut­schen Export nach Groß­bri­tan­nien kaum noch von Bedeutung sein. Um den Marktanteil deutscher Hersteller in einem Automarkt mit absoluter BEV-Dominanz zu verteidigen, wird das Angebot deutscher Autobauer stimmen müssen. Das betrifft vor allem die Technik und den Preis sowie die Modellvielfalt.

Der aktuelle Hochlauf der Elektro­mobilität in Groß­bri­tan­nien stellt im inter­nat­io­na­len Vergleich keine Ausnahme dar. Vielmehr bildet er den globalen Trend ab: weltweit dürften reine Ele­ktro­fahr­zeuge 2026 28 Pro­zent der Käufe ausmachen, Tendenz steigend. Gleichzeitig nimmt das Geschäft mit dem Ver­brennungs­motor rapide ab. Dieser Trend ist in zahl­rei­chen Märkten, die mit Pkw deutscher Hersteller von Deutsch­land aus bedient werden, besonders stark. So zum Beispiel in Frankreich, wo der BEV-Anteil an den Neu­zu­lassung­en im ersten Halbjahr 2026 28 Pro­zent ausmachte. Oder in Belgien, das einen BEV-Anteil von 36 Pro­zent verzeichnete.

Das Fall­bei­spiel Groß­bri­tan­nien ist auch vor dem Hinter­grund interessant, dass das Land nicht mehr Teil der Eu­rop­äi­sch­en Union ist. Wenn die EU die Flot­ten­grenz­werte aufweicht oder keine Ziele für Unter­nehmens­flotten festlegt, wird das den britischen Markt nicht direkt beeinflussen. Das Exportniveau lässt sich einzig und allein mit pas­sen­den Produkten aufrechterhalten.

Reine Ele­ktro­fahr­zeuge als Chance für deutsche Standorte

Deutsche Pkw-Modelle rangieren wiederholt in den Top 10 der meistzugelassenen Modelle in Groß­bri­tan­nien.  Der un­an­ge­foch­te­ne Champion ist jedoch Tesla, das mit dem Standort in Grünheide auch in Deutsch­land produziert. Wichtige Exportprodukte sind der Audi Q4 e-Tron und der BMW i4. Der Audi Q6 e-Tron stieg im Jahr 2025 nach dem Verkaufsstart im April 2024 direkt auf Platz 4 der meistzugelassenen BEVs in Groß­bri­tan­nien ein. Auch der VW ID.4 taucht regelmäßig in der Liste der meistverkauften Modelle auf. Zudem ist Skoda als Teil der VW-Mar­ken­familie regelmäßig in diesem Ranking vertreten.

Die erwähnten Modelle waren über mehrere Jahre beliebt, der Audi Q6 e-Tron war in seinem ersten, un­voll­stän­di­gen Verkaufsjahr 2025 (Verkaufsstart Ende April) bereits sehr erfolgreich (siehe Abbildung 4). Das kommt auch den Standorten in Deutsch­land zugute, die diese Modelle bauen. Angesichts des starken Aufwärtstrends bei der Elektro­mobilität können sie Zu­kunfts­stand­orte für den Export nach Groß­bri­tan­nien sein. Das betrifft vor allem das sächsische Zwickau sowie in Bayern München und Ingolstadt. Wenn die Modell­stra­te­gie der deut­schen Autobauer weiterhin stimmt, sollten sie eindeutig von der Elek­tri­fi­zie­rung profitieren.
 

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Gleichzeitig sind die Neu­zu­lassung­en in Groß­bri­tan­nien sehr stark von Fir­men­flott­en geprägt, die u. a. mit Steuernachlässen staatlich unterstützt werden. 2024 waren zum Beispiel 82 Pro­zent aller BEV-Neu­zu­lassung­en auf Unter­nehmens­flotten zurückzuführen.  Der Anteil privater Pkw lag entsprechend bei lediglich 18 Pro­zent. Als Premium-Flottenfahrzeuge der gehobenen Mittelklasse (Executive Segment) profitieren in Deutsch­land hergestellte Modelle deutscher Autobauer aufgrund ihres Produktportfolios. Mit zunehmender Elek­tri­fi­zie­rung britischer Fuhrparks hat dieses Segment im Ergebnis auch gute Wachstumschancen.

Im deutlich kleineren Privatmarkt ist die britische Nachfrage anders strukturiert. Es werden auf der einen Seite erschwingliche Volumenmarkt-Elektro­autos gefragt wie der MG4 und der Renault 5. Ihre deut­schen Konkurrenten werden aus stra­te­gi­schen Gründen oft auf Pro­duk­tions­stand­orte setzen, bei denen sich Energie- und Lohnkostenvorteile ergeben – so wird VW den ID. Polo, ID.1 und ID. 2 in Südeuropa bauen. Auf der anderen Seite werden in Groß­bri­tan­nien familientaugliche Fahrzeuge der Kompakt- und Mittelklasse wie der Kia EV3, Tesla Model 3 und Y oder Skoda Enyaq und Elroq gefragt.

Skoda gehört zwar zum deut­schen VW-Konzern, die genannten Modelle werden aber in Tschechien gebaut. Hier sorgt unerwartet Tesla mit dem absoluten UK-Champion Model Y für deutsche Beschäftigung und Wertschöpfung: ein erheblicher Teil der für Groß­bri­tan­nien bestimmten Model-Y-Modelle wird im bran­den­bur­gi­schen Grünheide gefertigt.

Fazit

Groß­bri­tan­nien ist ein etablierter Markt für in Deutsch­land gefertigte Modelle höherer Preisklassen. Diese Exporte kommen deut­schen Automobilstandorten in ganz Deutsch­land zugute. In acht Jahren wird Deutsch­land diesen Markt nahezu nur noch mit reinen Elektro-Pkw bedienen dürfen. Für derzeit nicht ausgelastete Standorte wie z.B. die Werke Zwickau und Emden ist die erwartbare wachsende Nachfrage in Groß­bri­tan­nien eine Chance. Das gilt auch für andere eu­ro­päi­sche Länder mit einem starken Flotten­markt und einer rasanten Elek­tri­fi­zie­rung.

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