Ei­gen­ver­brauch statt Ein­spei­se­ver­gü­tung bei So­lar­en­er­gie

Daten zeigen, für wen die Rechnung aufgeht – und für wen nicht

EnergiePolitik

| Pressemitteilung, 16.07.2026

München, 16. Juli 2026 – Die geplante Reform des Erneuerbare - Energien - Gesetzes (EEG) könnte sich weiter verzögern. Ob das Vorhaben bereits in der kommenden Woche im Kabinett behandelt wird, erscheint daher fraglich. Die Reform sieht unter anderem vor, die Ein­spei­se­ver­gü­tung für kleine Photovoltaik­anlagen mit einer Leistung von bis zu 25 Kilowatt Peak abzuschaffen. Das ist genau die Anlagengröße, die im deutschen Eigenheimbereich Standard ist. Ein neues Factsheet der Ini­tia­ti­ve Kli­ma­neu­tra­les Deutsch­land (IKND) und Zukunft KlimaSozial zeigt: 37 Pro­zent der Eigen­heim­besitz­en­den haben noch keine PV-Anlage und planen auch keine – und für sie wird der Ei­gen­ver­brauch durch die Reform zum entscheidenden Wirt­schaft­lich­keitsfaktor. Ob er das leisten kann, hängt davon ab, ob die Rahmen­bedingungen stimmen.

Photovoltaik­anlagen sind für viele Eigen­heim­besitzerinnen und -besitzer der Einstieg in die private Energie­wende: Wer eigenen Strom erzeugt, investiert wahrscheinlicher auch in Wärme­pumpen, Bat­te­rie­spei­cher oder Elektro­mobilität. Dies geht aus einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allens­bach im Auftrag der Ini­tia­ti­ve Kli­ma­neu­tra­les Deutsch­land hervor. Bereits 36 Pro­zent haben eine Anlage installiert, weitere 26 Pro­zent planen eine Anschaffung bis 2030. Das verbleibende Potenzial ist erheblich, doch es zu erschließen, ist deutlich schwieriger.

Denn die 37 Pro­zent ohne Anlage und ohne Pläne sind keine homogene Gruppe. Knapp die Hälfte von ihnen ist älter als 60 Jahre. Und die Gründe, warum sie nicht investieren, lassen sich nicht mit einheitlichen Maßnahmen lösen.

Für Eigenheimbesitzende unter 45 Jahren – im Schnitt beim Immobilienkauf 38 Jahre alt, mit laufendem Kredit – sind hohe An­schaff­ungs­kosten das Haupthindernis: 71 Pro­zent nennen sie als Grund, über alle Alters­gruppen hinweg liegt dieser Wert bei 56 Pro­zent. Fast jeder zweite Jüngere sagt, ein günstiges Darlehen wäre der entscheidende Anreiz. Für diese Gruppe ist die Wirt­schaft­lich­keitsrechnung eng und der Wegfall der Ein­spei­se­ver­gü­tung macht sie noch enger. Eigenverbrauch kann das kompensieren, aber nur wenn Smart Meter, dynamische Tarife und ausreichend Netzkapazität vorhanden sind. An allen drei Punkten hapert es noch.

Clara Mewes, Geschäftsleitung & Lead Analyst der Ini­tia­ti­ve Kli­ma­neu­tra­les Deutsch­land, sagt hierzu: „PV ist der Türöffner der privaten Energie­wende. Wer eine Anlage hat, investiert wahrscheinlicher in Wärme­pumpe, Speicher und E-Auto. Die EEG-Reform verschiebt die Wirt­schaft­lich­keit vollständig auf den Ei­gen­ver­brauch. Das kann funktionieren, aber nur wenn die nötige Infrastruktur mitgedacht wird. Unsere Daten zeigen: Gerade für junge Haus­halte mit knappem Budget ist das noch keine Selbstverständlichkeit“

Für ältere selbstnutzende Eigen­tümer­innen und Eigentümer über 60 Jahre ist das Bild ein anderes. Hier treten neben finanziellen Aspekten das eigene Alter (+41 Pro­zentpunkte häufiger genannt als bei unter 45-Jährigen) und Zweifel an der Wirt­schaft­lich­keit (+24 Pro­zentpunkte) als eigenständige Barrieren in den Vordergrund. Diese Gruppe ist mit Ei­gen­ver­brauch-Argumenten schwer zu erreichen. Die Frage „lohnt sich das noch für mich?" lässt sich nicht mit Kilowattstunden beantworten. Persönliche Beratung durch Handwerksbetriebe oder Energieberaterinnen, die den Immobilienwert und die lang­fristige Unabhängigkeit von Energie­preisen in den Vordergrund stellen, wirkt hier nachweislich besser als digitale Informationsangebote. 

Eine Anreizlogik, die Alters- und Einkommensunterschiede berücksichtigt, ist die Vor­aus­setz­ung dafür, dass die Rechnung für alle aufgeht.

Das voll­ständige Factsheet finden Sie hier.

 

Über das Factsheet
Das Factsheet „Photovoltaik auf deutschen Ein­fami­lien­häu­sern – was Eigenheimbesitzende von einer Investition abhält“ basiert auf einer repräsentativen Be­fra­gung des Instituts für Demoskopie Allens­bach unter mehr als 2.000 Hausbesitzenden im August 2025. Autorinnen: Carlotta Giustozzi (Zukunft KlimaSozial) und Clara Mewes (IKND).

Über Zukunft KlimaSozial
Zukunft KlimaSozial ist ein wissenschaftlicher Thinktank zur Verbindung von Klima- und Sozialpolitik. Vision und Mission ist eine klimaneutrale und sozial gerechte Zukunft. Das bedeutet gesellschaftliches Wohlergehen und Teilhabe für alle. Mit Expertise, Ideen und Konzepten trägt Zukunft KlimaSozial zum Gelingen bei. Klima- und Sozialpolitik werden von Anfang an zusammengedacht und neue Lösungsansätze entwickelt. 

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