Europas Batteriespitzenreiter Deutschland unter Druck
Risiko bis zu 800 Mio. Euro Einsparpotenzial nicht nutzen zu können
EnergiePolitik
| Pressemitteilung, 13.05.2026
München, 13.05.2026 - In der heutigen Kabinettssitzung soll der Entwurf des Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätsgesetzes beschlossen werden. Mit dem Gesetz will der Bund regeln, wie künftig Energieversorgungssicherheit in Deutschland gewährleistet werden soll. Aktuelle Daten des Think Tanks Ember und der Initiative Klimaneutrales Deutschland zeigen, dass Stromspeicher mit Gaskapazitäten gleichgestellt werden sollten, anstatt sie in Ausschreibungen systematisch zu benachteiligen.
Mit dem Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätsgesetz, kurz StromVKG, soll die Grundlage für die zukünftige Energieversorgungssicherheit Deutschlands geschaffen werden. Mit dem Gesetz werden die Weichen dafür gestellt, ob vor allem bereits kosteneffiziente, saubere und wettbewerbsfähige Technologien zum Einsatz kommen – oder langfristige Importabhängigkeiten von fossilen Energieträgern verstetigt werden.
Auch aus Systemsicht könnten Speicher einen enormen Beitrag zur Stabilität leisten, da dank ihnen Abregelungen von Stromerzeugungsanlagen reduziert werden können. Im Jahr 2025 mussten hierzulande rund 8 Terawattstunden des aus Wind- und Photovoltaikanlagen erzeugten Stroms abgeregelt werden. Das entsprach rund 3 Prozent der gesamten Wind- und Solarstromerzeugung. Wäre die 10,5 Gigawatt-Batteriespeicher-Pipeline, das heißt angekündigte, genehmigte oder sich in Bau befindende Speicher, bereits in Betrieb gewesen, hätte davon etwa ein Drittel vermieden werden können. Das entspricht rund 800 Millionen Euro, die sich zusammensetzen aus vermiedenen Redispatch-Kosten und wegfallenden Gaseinkäufen.
„Batteriespeicher senken die Energiekosten für Verbraucherinnen und Verbraucher, stabilisieren die Netze und ermöglichen eine stärkere Nutzung heimischer erneuerbarer Energien. Damit die Gesamtkapazität von Speichern im System wachsen kann, braucht es einen fairen Zugang zu Kapazitätsausschreibungen und einen verlässlichen politischen Rahmen“, sagt Beatrice Petrovich, Senior Analystin beim globalen ThinkTank Ember.
„Wir sehen eine stark wachsende Nachfrage nach Batteriespeichern bei Kommunen und Privathaushalten: Bis 2030 könnten 7 Millionen Einfamilienhäuser mit Heimspeichern ausgestattet sein – das entspricht der Hälfte dieses Häusertypen. In Kommunen ist das Interesse an Speicherlösungen ebenfalls enorm hoch: bis 2035 könnte jede dritte Kommune Speicher betreiben. Jetzt geht es um die richtigen Rahmbedingungen, dass aus Investitionsplänen auch Realität werden kann – im Sinne von Kosteneffizienz, Flexibilisierung und Versorgungssicherheit“, ergänzt Clara Mewes, Referentin für Wissenschaft, Daten und Analyse bei der Initiative Klimaneutrales Deutschland.
Deutschland ist derzeit in Europa Spitzenreiter beim Ausbau von Batteriespeichern: Bis Ende 2025 sind mehr als 2,5 Gigawatt Kapazität ans Netz gegangen. Das ist etwa doppelt so viel wie noch zwei Jahre zuvor. Gleichzeitig sind über 10 Gigawatt an neuen Vorhaben in der Pipeline, davon sind rund 1,5 Gigawatt bereits im Bau. Die Daten belegen, dass der Ausbau von und die Nachfrage nach Batteriespeichern wächst. Auch die Wirtschaftlichkeit ist gegeben. Daher sollte der Ausbau nicht verlangsamt und die Vorteile nicht verspielt werden durch eine bevorzugte Behandlung von Gasanlagen.
Das Factsheet “Deutschlands Speicherpotenzial” finden Sie hier.
